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Neues Label bürgt für Qualität

Sladjana Baumann
Sladjana Baumann

Nach welchen Qualitätskriterien arbeitet die Assessment-Branche? Mit der Etablierung eines Qualitätslabels ist dem Verband Swiss Assessment 2012 ein Durchbruch gelungen.

Assessments und Persönlichkeitstests sind heute wichtige Instrumente für die Personalauswahl und -entwicklung. Einen Trend zur Professionalisierung auch in diesem Sektor der HR-Arbeit stellt der Harvard Business Manager (HBM 11/2012) in einer aktuellen Umfrage fest. Die Anwendung dieser Instrumente gehört in die Hand von Spezialisten. Häufig fehlen dafür organisationsintern die Ressourcen. Entsprechend setzen HR- und Linienverantwortliche auf externe Dienstleister. Aber wer ist der richtige Anbieter für ein solches erfolgskritisches Mandat? Denn Personalentscheide sind häufig von grosser Tragweite, sowohl für Arbeitgeber als auch für Kandidatinnen und Kandidaten. Auf dem Papier verpflichten sich alle Assessmentanbieter zu hoher Qualität – ein Werbeversprechen, das sich innert überschaubarer Frist unmöglich überprüfen lässt. Gefordert werden daher nachvollziehbare Qualitätskriterien.

Anerkannte Leistungen

Seit Mitte 2012 können sich Assessmentanbieter nach den Standards von Swiss Assessment (ehemaliger Arbeitskreis Assessment Center Schweiz AKAC) durch die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS) und die Universität Zürich zertifizieren lassen. Unternehmen, die sich dieser Prüfung stellen, weisen nach, dass sie die Qualitätskriterien erfüllen, die Praxisvertreter in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Fachstellen definiert haben. Die Standards sind umfassend und fokussieren den Assessmentprozess von der Auftragsklärung bis hin zur Evaluation der Assessmentergebnisse. Tabelle 1 gibt einen summarischen Überblick über die geprüften Qualitätskriterien.

Mitte November 2012 wurden die ersten sieben Schweizer Assessmentanbieter qualifiziert, 2013 sind weitere Zertifizierungen vorgesehen. Unter den bereits ausgezeichneten Firmen befinden sich neben zwei Grossorganisationen, die ihre internen Assessments prüfen liessen, fünf Beratungsunternehmen. Unter diesen sind auch kleine Firmen. Dies zeigt, dass der Aufwand für die Zertifizierung tragbar ist, sofern Qualität in der Unternehmensgeschichte bereits einen bedeutenden Stellenwert hatte.

achhaltige Wirkung

Mit der Zertifizierung hat Swiss Assessment einen Meilenstein zur Etablierung einer einheitlichen Qualitätssicherung beim Einsatz von Assessments in der Schweiz erreicht. Wo HR- und Linienverantwortliche früher viel Zeit investieren mussten, um sich ein Bild des Angebots von Assessmentdienstleistern zu machen, zeigt ihnen heute das Qualitätslabel von Swiss Assessment und SQS, ob Anbieter dem «State of the Art» im Assessmentbereich entsprechen. Der Verein Swiss Assessment vereint Fachleute aus über 70 Organisationen, wobei Grossunternehmen, Verwaltungen, Unternehmensberatungen und wissenschaftliche Fachstellen vertreten sind. Die Anzahl Mitglieder und die Konzentration auf dem Schweizer Markt verleihen dem Verein und zunehmend auch dem Qualitätslabel eine hohe Bedeutung.

Damit das Label die gewünschte nachhaltige Wirkung erzielen kann, sind nun die auftraggebenden Firmen gefragt. Ihnen steht mit dem Label ein Instrument zur Verfügung, um mit ihren Assessmentanbietern die Qualitätsdiskussion zu führen. Verlangt die Auftraggeberseite vermehrt den Nachweis einer hohen Qualitätsorientierung, wird Qualität zum Marktvorteil und damit für alle Anbieter erstrebenswert. Dieser Druck wird dazu führen, dass noch nicht zertifizierte Unternehmen Handlungsbedarf erkennen und in die Qualität ihrer Dienstleistungen investieren – eine Entwicklung, von der nicht nur auftraggebende Firmen, sondern auch viele künftige Assessmentteilnehmende profitieren werden.

Mit dem Qualitätslabel von Swiss Assessment haben HR- und Linienverantwortliche eine gute Grundlage, um die Qualität der Dienstleistungen ihrer Assessmentanbieter zu verifizieren. Nehmen sie in der Diskussion über die Qualität der Assessmentdienstleistungen eine aktive Rolle wahr, dürfte Qualität zum Marktvorteil werden und Swiss Assessment somit nachhaltig zur Qualitätsorientierung auf dem Schweizer Markt beigetragen haben.

Tabelle 1

StandardKriterien
Auftragsklärung 
  • Ziele und Rahmenbedingungen des Auftrags werden verbindlich geklärt
 
Anforderungsanalyse 
  • Dem Assessment liegt ein systematisch erhobenes Anforderungsprofil zugrunde, das mit den relevanten Anspruchsgruppen erhoben wurde
 
Konstruktion 
  • Ein Assessment besteht aus mindestens 4 verschiedenen Methoden mit Bezug zum Anforderungsprofil
 
Bewertung 
  • Mindestens zwei Übungen basieren auf Arbeitssimulationen
  • Standardisierte Bewertungsvorlagen werden eingesetzt
  • Bewertung findet stets nach dem 4-Augen Prinzip statt
 
Beobachtende 
  • Assessmentverantwortliche verfügen über anerkannte Ausbildungen an einer Hochschule und bringen ausreichend Erfahrung mit
  • Beobachtende haben eine Beobachterschulung absolviert
 
Teilnehmende 
  • Teilnehmende werden vor dem Assessment über Zweck, Konsequenzen und Ablauf des Assessments informiert
 
Organisatorisches 
  • Zeitpläne liegen vor, die den Albauf für alle Beteiligten regeln
  • Assessments finden in vertraulicher Umgebung statt
 
Ergebnisse 
  • Teilnehmende erhalten eine persönliche Rückmeldung zu ihren Ergebnissen
  • Daten werden diskret und dem Datenschutzgesetz entsprechend behandelt
 
Evaluation 
  • Akzeptanz und Vorhersagequalität der Assessment werden regelmässig systematisch überprüft
  • Assessmentanbieter arbeitet mit wissenschaftlichen Fachstellen zusammen
 
Quantitatives 
  • Assessmentanbieter konnte sich in den vergangenen Jahren am Markt etablieren und wesentliche Auftraggeber für sich gewinnen
 
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